Bereits vergangenen August habe ich mir eine gebrauchte Spiegelreflexkamera aus den 1970er Jahren gekauft. Nachdem es anfangs etwas schwer war, dafür Filmrollen zu bekommen, wurde ich bei einem meiner letzten Besuche in Wien fündig.
Ich verbrachte also die Zeit während unseres Kroatien-Urlaubs, sowie einiger Wochen zuhause, um mit dem alten Fotoapparat zu fotografieren. Nachdem die Filmrolle jedoch vom Entwicklungslabor zurückkam, stellte ich enttäuscht fest, dass nur 2 Fotos von 36 tatsächlich entwickelt werden konnten. Ich öffnete also die Kamera und versuchte die Ursache des Fehlers finden; es stellte sich heraus, dass das Dicht- bzw. Klebemittel über die Jahre aus den Fugen gequollen ist und dadurch den Auslösemechanismus beeinträchtigt hatte. Dass insgesamt zwei Fotos entwickelt werden konnten, war also reiner Zufall.
Da ich jedoch zu diesem Zeitpunkt noch mehrere Filmrollen zuhause hatte, borgte ich mir kurzerhand die alte Kamera meines Vaters aus. Er hatte sie ebenfalls in den 1970er Jahren zur Firmung bekommen und sie zwischenzeitlich vor einigen Jahren an meinen Bruder weitergegeben, welcher ebenfalls keinen Bedarf mehr an ihr hatte.
Grundsätzlich hatte ich ja ursprünglich zum Ziel, zuhause in meiner Küche selbst Filme zu entwickeln. Aus diesem Grund habe ich daher beschlossen, dieses mal einen Schwarzweiß-Film in die Kamera zu laden. Da ich den gesamten Vorgang gewissermaßen als Experiment sah, war der Film bereits nach zwei Wochen in der Kamera voll und wartete auf die Entwicklung.
In der Zwischenzeit hatte ich die dafür notwendigen Zutaten besorgt. Mit dem Spar- und Umweltschutzgedanken im Hinterkopf wollte ich sicherstellen, dass die Entwicklerflüssigkeit im Anschluss problemlos im Abfluss entsorgt werden konnte. Die Zutaten bestanden daher aus wasserlöslichem Kaffee, Waschsoda und Vitamin-C Pulver. Für das Fixierbad musste ich jedoch auf ein Produkt aus dem Foto-Fachhandel zurückgreifen.
Der erste Schritt war jedoch die Entnahme des Films aus der Kamera und gleichzeitige Wicklung auf eine Plastikspirale in einer lichtdichten Entwicklungsdose. Dieser Vorgang musste in völliger Dunkelheit stattfinden und war für mich eine anfangs unterschätzte Herausforderung. Letztlich war ich jedoch nach einem neu gestartetem Versuch erfolgreich und ich konnte die Zutaten im richtigen Verhältnis mit Leitungswasser zusammenmischen.
Nach etwa 11 Minuten leerte ich die Entwicklungsflüssigkeit aus und das Fixierbad in die Entwicklungsdose, dieser Schritt ist notwendig, um den Entwicklungsprozess zu stoppen und den Film gegen weiteres Licht zu immunisieren. Der Moment der Wahrheit war nun gekommen – aufgeregt öffnete ich die Dose und zu meinem großen Glück hatte ich tatsächlich einen fertig entwickelten Film in meinen Händen.
Der erste Versuch wurde zwar etwas kontrastreich, ich finde allerdings, dass es den Bildern eine eigene Note gibt. Ich habe dadurch definitiv einen Vergleichswert für die nächsten Filmrollen.

