Gestern fuhren wir mit ca. 430 Kilometern unsere bisher längste Etappe. Wir erreichten daher unser nächstes Ziel erst am späteren Nachmittag: Kingman, das selbsterklärte Herz der Route 66. Diese Strecke existiert heute nur mehr in einzelnen Abschnitten, war aber in den 1920er Jahren eine der ersten und längsten Fernstraßen in den USA.
Sie verband damals Chicago mit Los Angeles und wurde in vielen Filmen als Inbegriff der Freiheit dargestellt. In Kingman lässt sich das ganze gut vermarkten, das erkennt man vor allem an den vielen Diners im 50er-Jahre Stil, aber auch an den zahlreichen Reparaturwerkstätten und Gebrauchtwagenhändlern.
Die Anreise erfolgte fast vollständig über Wüstengebiet, an einigen Stellen zeigte unser Thermometer sogar 43 Grad im Schatten an. Ursprünglich wollten wir gerne nochmals in den Joshua-Tree-Nationalpark hinein, an den Cholla Cactus Gardens vorbei zum südlichen Parkausgang, um von dort unseren Weg nach Norden in Richtung Lake Havasu City fortzusetzen. Wieder einmal waren wir jedoch Straßensperren durch den vergangenen Tropensturm ausgesetzt, sodass wir gleich nach Norden zur Interstate 40 fuhren mussten.
Nach einem kleinen Umweg erreichten wir Lake Havasu City schließlich doch noch. Die heißen Temperaturen zwangen uns aber, soviel Zeit wie möglich innen zu verbringen. Dennoch erhaschten wir einen kurzen Blick auf die berühmteste Sehenswürdigkeit dort – die London Bridge.
Als diese in den 1960er Jahren dem Verkehrsaufkommen in London nicht mehr gewachsen war und ein Neubau beschlossen wurde, kaufte ein findiger Millionär die alte Brücke, ließ sie Stein für Stein abtragen, nach Lake Havasu City überführen und dort wieder neu aufbauen. Böse Zungen behaupten, er hätte die London Bridge mit der viel bekannteren Tower Bridge verwechselt und nur deshalb die stolze Summe von heute umgerechnet 19 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt – Transport, Ab- und Aufbau nicht miteingerechnet.
In Kingman angekommen, probierten wir als erstes einen klassischen Milkshake im Mr. D’z Route 66 Diner. Das grelle Interieur und die zahlreichen Corvette- und Elvis-Presley-Poster sollten uns das Bild des guten, alten Amerikas näherbringen. Um uns nach dem langen Tag doch noch etwas zu bewegen, verbrachten wir den Abend in einer klassischen Bowling-Bar. Die Profis links und rechts von uns bemitleideten uns zwar ein bisschen – wir hatten dennoch unseren Spaß.


